Hello World. So lautet der standardisierte Name, den WordPress diesem allerersten Post gibt. Vielleicht wollen sie damit frisch gebackene Blogger dazu animieren, ordentlich in die Tasten zu hauen und der Welt ihre Sicht der Dinge zu verkünden. Oder bei WordPress arbeitet einfach nur ein Haufen Programmierer. Hello World. Das dachte ich mir vor ein paar Tagen auch, als sich der Nebel endlich in einem solchen Maß gelichtet hatte, dass meine Brille meine Sicht nicht mehr verschlechterte, sondern wieder jene Aufgabe zu übernehmen begann, für die sie ursprünglich geschaffen wurde: mir Klarheit zu verschaffen. Doch davor musste ich mich erst einmal von der Welt verabschieden. Zum Glück nur für ein paar Tage, aber das wusste ich ja nicht. Ich dachte, der Sommer würde in einer verzerrten Dunkelheit verschwimmen.
Alles begann am 17. Juni 2022. Die Wochen und Monate zuvor waren sowohl beruflich als auch privat eine Herausforderung gewesen. Es Stress zu nennen, wäre untertrieben. Ich wollte mit den Kindern über das verlängerte Wochenende wegfahren, eine kurze Auszeit nehmen. Wie sehr sehnten wir uns danach. Am Tag vor unserer Abreise, einem stinknormalen Dienstag wie jeder andere, klagte das kleine Kind über Schmerzen in der Leiste. Es konnte kaum auftreten, humpelte frühmorgens ins Wohnzimmer und ließ sich wimmernd auf die Couch fallen. „Verdammt! Unser Urlaub“, schoss es mir durch den Kopf, weil ich schon ahnte, welche Diagnose uns erwarten würde.
Hüftschnupfen. „Drei Tage strikte Bettruhe. Wenn möglich, etwas länger, damit es schnell heilt“, sagte der Arzt mit einem Blick auf das schwarzweiße Ultraschallbild. Der Urlaub sollte also ins Wasser fallen, weil da Flüssigkeit war, wo keine hingehörte. Das kleine Kind tat, wonach mir zumute war. Es lag da und weinte. „Und ich hatte mich schon so auf den Urlaub gefreut“, presste es zwischen seinen Schluchzern hervor.
„Ich mich auch“, antwortete ich und schluckte meine eigenen Tränen hinunter.
„Vielleicht ist es für irgendetwas gut…“, sagte eine Freundin am Telefon und ich biss mir auf die Lippen, um nicht laut loszubrüllen.
Da saßen wir also in unserem Elend und bemitleideten uns selbst ganz fürchterlich. Der Mittwoch verging, der Donnerstag kam. Die Stunden schleppten sich dahin. Ich fühlte mich nicht gut. Ausgelaugt, traurig, frustriert. In meinem Kopf ein dumpfes Gefühl, als sei mein Bewusstsein von einem dichten Nebel umfangen. Das kleine Kind am Sofa beschwerte sich hingegen nicht. Zur allgemeinen Aufmunterung buk das große Kind einen Kuchen, der ihm schöner nicht hätte gelingen können. So verging der Donnerstag und der Freitag kam.
Freitag, der 17.6.2022. Als ich um kurz nach halb fünf die Augen aufschlug, drang durch die leicht geöffneten Jalousien bereits das erste Tageslicht herein. Drei schwarze Punkte tanzten über die Wand. Sehstörungen sind mir nach den letzten stressigen Monaten nur allzu gut bekannt und ich war vor kurzem beim Augenarzt. „Mit der Netzhaut ist alles in Ordnung“, meinte er. Ich blinzelte. Aus den schwarzen Punkten wurden langsam gelbe. Ich stand auf, kochte Kaffee und setzte mich an den Computer. Auf dem hellen Display tanzten die Punkte so offensichtlich, dass es unmöglich war, ihre Existenz zu negieren. Verdammt. Was seid ihr? Und warum ist mein Kopf so schwer? Irgendwann kroch ich wieder ins Bett. Eine Runde Schlaf hat schon viele Probleme gelöst. Dieses jedoch nicht. „Das ist bestimmt der Kreislauf“, dachte ich und ging mit dem Hund in den Wald. Der Nebel im Kopf lichtete sich ein wenig, die Punkte aber blieben und schoben sich hartnäckig zwischen mein Bewusstsein und die Welt.

Ein Kommentar zu „Tschüss, Welt!“