Nach einem wirklich erholsamen und gelungenen Urlaub nach Hause zu kommen, fühlt sich manchmal wie eine saftige Ohrfeige an. Verpasst von Vater Alltag und Mutter Realität und so kalt und unerbittlich, als stießen die beiden einen ins eiskalte Wasser. Schon kurz nach unserer Ankunft in den eigenen vier Wänden begriff ich, warum ich mich in den Tagen davor so gut gefühlt hatte: Ich hatte ja nichts zu tun gehabt. Na ja, eine E-Mail hier, ein bisschen Wasser einkaufen dort und vielleicht noch die ein oder andere Verpflichtung wie der Besuch des Hotelbuffets dreimal am Tag. Und jetzt? Wäsche, Staub, Unordnung, Katze, Hund, Einkäufe, Erledigungen, Essen und das alles während einer Mischung aus Vogt-Koyanagi-Harada, Gürtelrose und dieser hartnäckigen Schlafstörung, die mich frühmorgens aus dem Bett treibt. Ich spürte bereits nach wenigen Stunden meine Kräfte wieder schwinden.
„Ich glaube, ich bin doch noch ziemlich krank“, stellte ich in einem Telefonat mit einer Freundin fest. „Ich werde jetzt versuchen, den Urlaubsmodus zu verlängern und wirklich nur so viel tun, wie meine Kräfte erlauben.“ Was für ein Vorsatz! Wie lange würde ich den wohl halten können?
Mir meiner Erkrankung selbst bewusst zu werden, war der eine Schritt. Meinem Umfeld beizubringen, dass ich nur eingeschränkt einsatzfähig war, nahm jedoch eine ganz andere Dimension ein.
„Wie geht’s deinen Augen?“, war eine oft gestellte Frage. Natürlich. VKH betrifft in erster Linie die Sehschärfe, aber es ist und bleibt eine Systemerkrankung, die über die Augen hinaus geht. Und sie macht müde. Oder vielleicht ist es das Kortison oder auch die Gürtelrose. Was weiß denn ich.
Manchmal mag ich in diesen Situationen gar nicht antworten, dass sich mein Visus um Welten verbessert hat. Dass ich mich darüber freuen kann, die Sterne am Nachthimmel zu erkennen, weil genau hier das Zuhören meines Gegenübers aufhört. Augen gut, alles gut. Nein, warte! Nicht! Ich bin erschöpft. Unendlich erschöpft und mein Kopf. Oh, mein armer, armer Kopf ist so schwer und voll, so unkonzentriert und von einem dichten Nebel umhüllt, dass ich nach ein paar Stunden ohne Schlaf kaum mehr denken kann. Aber ja, ihr habt schon recht. Den Augen geht es gut und dafür bin ich ja auch dankbar, aber das macht mich leider noch nicht gesund. Vor allem unter der Berücksichtigung der Tatsache, dass ich ja noch tagtäglich eine ordentliche Portion Kortison frühstücke. Ohne die füllt sich der Bereich unter meiner Netzhaut wohl unweigerlich wieder mit Flüssigkeit, dass es nur so zu blubbern beginnt.

Im Urlaub dachte ich wirklich, ich sei fast genesen. Zu Hause merke ich umso deutlicher, wie weit ich davon noch entfernt bin. Langsames Schlendern durch die Einkaufsstraßen von Bibione sind nicht vergleichbar mit einem Hundespaziergang. Ersteres verlangt nicht viel von meinem Innenohr und ich kann meine Geschwindigkeit so anpassen, dass der Schwindel kaum spürbar ist. Zweiteres zeigt die körperlichen Defizite jedoch klar auf und so schwankte ich also wieder über Treppen und Wurzeln. Nein, ich bin nicht gesund. Ich werde noch viel Ruhe brauchen und Schonung und wie froh bin ich, dass noch weitere acht Wochen Ferien vor uns liegen. Acht Wochen, in denen wir uns durch die Tage treiben lassen können, wie in einem warmen Wasser; weitab vom Alltag und der Realität.
Wenn da nur nicht die Sache mit diesem verflixten Geld wäre. Verdammt. Ich spüre sie. Die eiskalte Strömung des Alltags und die Hände der Realität, die mich mit ihrem erbarmungslosen Griff umschlossen hält. Und so fest ich die Augen vor diesen beiden Gewalten auch verschließen will, ihre Existenz kann ich nicht verleugnen. Ach, wie bin ich müde.
